Egypt Lake Shelter | 2013

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Am 21ten Februar ging es morgens um 9:30 Uhr vom Redearth Creek Parkplatz los. Unser Ziel: Egypt Lake Shelter auf 2000 Meter Höhe im Herzen des Banff National Park. Die kürzere 12km Strecke über Healy Pass, die man vom Sunshine Village Parkplatz aus nehmen kann, wollten wir wegen Lawinengefahr und der Whiteouts dort oben (wenn der Schnee quasi seitwärts fegt und man Null Sicht hat) vermeiden. Das war eine gute Entscheidung, denn wie sich herausstellte schneite es dort oben seit 3 Tagen ununterbrochen. Also ging es los, mit schweren Rucksäcken. Nach 2,5 Stunden hatten wir die erste, 12 km lange aber moderate Etappe, zum Ranger Cabin nahe Shadow Lake erreicht. Dort aßen wir Lunch, verbanden unsere schon jetzt lädierten Füße (neue Schuhe) und bald ging es auf die weitaus kompliziertere Strecke dem Pharao Creek entlang. Der Weg war schmal, ging rauf und runter und mit langen Ski war es stellenweise nicht möglich ohne Abzuschnallen fortzuschreiten. Nach weiteren 200 Höhenmetern durch den engen Canyon erreichten wir dann offeneres Gebiet.

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Wäre hier nicht vor kurzem schonmal jemand gelaufen, wir hätten ewig gebraucht um durch den frischen, tiefen Schnee eine Spur zu ziehen. Und so schritten wir voran, Schritt für Schritt. Nach insgesamt ca. 4 Stunden erhaschten wir dann den ersten Blick auf die Pharao Peaks und wussten das wir bald am Ziel waren. Doch es dauerte nocheinmal 1,5 Stunden, diesmal auf einem Höhenpfad parallel zum Creek, bis wir endlich da waren. Es schneite nun ziemlich heftig aber trotzdem hatten wir tolle Aussicht auf die umliegenden Berge. Der Shelter stand schon eine Woche leer, deshalb wurde erstmal angeheizt. Holz war genügend da, wenn auch unter einer anderthalb Meter tiefen Schneedecke. Ich will nicht lügen, es dauerte bis zum Morgen des zweiten Tages bis die Hütte warm genug war das man ohne Mütze herumlaufen konnte… Trinkwasser holten wir am nahen Creek. Das war zwar umständlich und barg jedesmal eine 40-minütige Skitour in sich da der Creek ebenfalls unter 2 Meter lag; doch etwas nördlich gab es eine winzige, eisfreie Stelle. Geschmolzenen Schnee nahmen wir nur zum Kochen und Spülen, der hat nämlich eine unangenehmen Geschmack. Bei re-hydriertem Rotkraut, Klößen und frischer Kassler sowie ein paar Runden Mäxle klang der Abend aus.

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Am zweiten Tag hackten wir erstmal viel Holz, Frühstückten und Dösten so vor uns hin. Der nicht endende Schneefall hatte uns über Nacht nochmal fast einen Fuß Neuschnee beschert. Vor dem Mittagessen entschlossen wir uns sicherheitshalber „Trailbraking“ zu machen, also unsere alte Spur ein Stück zurück zu laufen um uns die Rückkehr am nächsten Tag zu vereinfachen. Es ist nämlich fürchterlich anstrengend mit schwerem Gepäck im Tiefschnee eine Spur zu ziehen. Danach erkundeten wir noch ein wenig die Gegend und als wir dann entschlossen hatten das wir uns eine Mahlzeit verdient hatten, ging’s zurück in den nun warmen Shelter. Lesen, Würfel spielen und Essen schloss auch diesen Tag nach und nach ab. Es war schon dunkel als dann doch noch 3 junge Männer auftauchten. Sie hatten 6 Stunden auf ihren AT Skien gebraucht um über Healy Pass den Shelter zu erreichen. Sie sagten oben wäre ein kompletter Whiteout gewesen. Obwohl zwei von ihnen schon mehrmals am Shelter gewesen waren hätten sie ihn ohne GPS und Karte heutennicht mehr gefunden… Es wurde noch ein wenig geschwätzt und auch dann ging es ab in die Heia.

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Letzter Tag. Wir alle schliefen bis um 9 Uhr. Nach Kaffee und Cereals packten wir zusammen und machten uns auf den 21km langen Rückweg. Herrlicher Sonnenschein und angenehme Temperaturen begleiteten uns auf dem Rückweg. Der andauernde Schneefall über Nacht hatte unsere Spuren vom Vortag wieder fast vollständig verweht, aber da die Sicht heute 100% war fanden wir uns auch so schnell zurecht und hatten bald den richtigen Weg eingeschlagen. Erstaunlicher weise machten wir keine einzige Pause, das leichte bis steilere bergab ließ uns einfach schnell vorankommen. Wie schön doch alles bei diesem Wetter aussah. Viele Tierspuren veranlassten uns auch immer nach Wildlife zu suchen. Die klugen Hasen waren übrigens immer auf unseren alten Spuren entlang gehoppelt, da sinken sie nämlich nicht so schnell ein. Die letzten 12 km boten 3 tolle und schnelle Abfahrten, hier stießen wir auch wieder auf Tages-Tourer die uns alle ausfragten wo wir den hergekommen waren. Diese längere Route ist nämlich anspruchsvoller und wird nicht oft benutzt um zum Egypt Lake zu gelangen. Nach nur 3 Stunden und 50 Minuten waren wir wieder am Parkplatz angekommen. Was für eine tolle Gegend da oben. Wie immer fanden wir uns zu einem Abschlussbierchen und Nachos in der Grizzly Paw Brauerei in Canmore ein, bevor es dann letztlich nach Hause ging.

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